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Oliven-Fans aufgepasst! Bio-Pionier MANI im Interview

von Elisabeth

Früher hätte ich nicht gedacht, dass es bei Oliven Qualitätsunterschiede gibt. Seit ich allerdings die Steinfrüchte von MANI kenne, kommen bei mir keine anderen Oliven mehr ins Haus. Deshalb bin ich mehr als happy, den Gründer der Marke sowie seinen Sohn für ein Interview gewinnen zu können. Wie es zur Gründung des Unternehmens kam, was es mit dem Olivenbaum-Darlehen auf sich hat, wieso MANI auf Rohkost setzt und vieles mehr, lest ihr im folgenden Interview.

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Lieber Fritz, lieber Felix stellt euch meinen Lesern doch bitte erst einmal kurz vor. Wer seid ihr und was macht ihr? 

Fritz: Auf der Suche nach alternativen Lebens- und Wirtschaftsformen habe ich vor über 40 Jahren meiner Geburtsstadt Wien den Rücken gekehrt und mich in der damals einsamen Mani zurückgezogen. Aber auch dort sind mir die Schwachstellen des Wirtschaftssystems begegnet: die Bauern hatten nur die Möglichkeit ihr feines Olivenöl für billiges Geld nach Italien zu verkaufen. Dass es von dort häufig den Weg nach Deutschland nahm und teuer verkauft wurde, wussten die wenigsten. Da ich selbst auch etwas Geld verdienen musste, fing ich an für die Bauern das Öl zuerst nach Österreich später dann auch nach Deutschland zu exportieren. Gleichzeitig überzeugte ich die Landwirte davon, dass nur die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft eine Zukunft hat. Ich bin also jemand der aus Liebe zu Mensch und Natur arbeitet. 

Felix: Ein Credo das auch für unser Unternehmen MANI steht. Seit 2009 führe ich die Geschäfte mit meinem Vater zusammen. Überhaupt ist die ganze Familie involviert. Ohne die Mitwirkung meiner Mutter Burgi Bläuel – meine Eltern haben sich in der Mani kennengelernt – wäre das Unternehmen nicht das, was es heute ist. Und auch Julia, meine Schwester, arbeitet mit. 

links: Felix Bläuel, rechts Fritz Bläuel, Foto: MANI

Mittlerweile gibt es neben Oliven auch weitere Oliven-Produkte im Sortiment von MANI. Erzähl doch mal. 

Felix: Genau. Dank der guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Bauern können wir mittlerweile eine ziemlich breite Palette an Bio-Olivenspezialitäten anbieten. Hierzu gehören neben dem Klassiker extra natives Olivenöl auch Spezialöle wie die Fruchtöle oder das Polyphenol-Öl, mit einem besonders hohen Polyphenolgehalt. Und natürlich das breite Bio Oliven Sortiment: von al naturale über eingelegt in Olivenöl oder Lake. Ganz neu auf dem Markt sind die gewürzten Oliven. Außerdem bieten wir auch Mezes, typisch griechische Vorspeisen wie Olivenpaste, getrockneten Tomaten und Kapern an.   

Was macht MANI neben der Bio-Qualität noch zu einem nachhaltigen Unternehmen? 

Felix: Das Fundament der Nachhaltigkeit ist natürlich Bio: ökologische Landwirtschaft und Bio-Verarbeitung. In der Verarbeitung nutzen wir übrigens zu 100% regenerative Energie. Auch was die Verpackung und das Verpacken betrifft sind wir nachhaltig: Glas, Etiketten aus recycelten Papier.  
Ein großer Teil unserer Produkte ist Naturland Fair zertifiziert. Ein Aspekt dieser Zertifizierung sind faire Preise für die Landwirte und langfristige Partnerschaften. Und seit zwei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit Fair Finance und finanzieren einen Teil unserer Investitionen über Crowdfunding. 

Dafür habt ihr das Crowdfunding-Projekt „Olivenbäumchen Darlehen“ ins Leben gerufen. Was steckt dahinter? Für wen ist dieses Finanzierungsmodell geeignet und wann lohnt es sich? 

Fritz: Es gibt immer mehr Menschen, die nach alternativen, die ökologische und soziale Transformation fördernden Wertanlagen suchen, in die sie ihr Erspartes investieren können. Unser „Olivenbäumchen-Darlehen“ findet genau den goldenen Schnitt zwischen Sicherheit und sinnvoller Anlage bei gutem Ertrag. Unsere Darlehensgeber bekommen eine attraktive Möglichkeit, ihr Geld mit fairer Verzinsung in einem ökologisch verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Unternehmen sinnvoll arbeiten zu lassen. Wir wiederum reduzieren unsere Abhängigkeit vom Bankensystem und können wichtige Innovationen realisieren. Ab 1.000 € kann sich jede/jeder engagieren und zwischen zwei Optionen der Verzinsung wählen. Entweder 4% in Form eines jährlich im Januar ausgestellten und zugesandten Warengutscheins der in unserem Onlineshop eingelöst werden kann oder 3% die ebenfalls im Januar ausgezahlt werden. 

Und was habt Ihr mit den Darlehen bereits finanziert? 

Felix: Zum einen konnten wir Anfang des Jahres, also nach der Olivenernte, den Bauern einen fairen Preis für ihre Ernte bezahlen. Für uns ist in dieser Jahreszeit eine Liquidität besonders wichtig, denn die Bauern müssen zeitnah bezahlt werden, wohingegen wir erst nach und nach über den Verkauf wieder Geld einnehmen. Investiert haben wir z.B. auch in eine Vakuum-Verschließmaschine für Olivengläser, die man hier in Aktion sehen kann.

Ihr habt jetzt alle Oliven in Rohkostqualität verfügbar? Was heißt das? Sind Oliven nicht immer Rohkost? 

Felix: Eine 12 bis 24-monatige Haltbarkeit der Oliven wird in der Regel durch Pasteurisierung, sprich eine kurze Erhitzung erreicht, womit sie nicht mehr Rohkost sind. Wir fermentieren die Oliven und können so auch die Nährstoffe besser erhalten. Durch die Rohkostqualität bleiben die wertvollen natürlichen Inhaltsstoffe wie z.B. Polyphenole in den Oliven erhalten. Diese tragen als Antioxidantien zur Zellgesundheit bei und besitzen entzündungshemmende Effekte. Auch die Milchsäurebakterien, die bei der Fermentation der Oliven entstehen, bleiben lebend, was sich wiederum positiv auf die Darmflora auswirkt. Durch die Anschaffung der neuen Vakuum-Verschließmaschine für Olivengläser können wir jetzt auch die in Lake eingelegten Oliven unpasteurisiert anbieten. Ein zusätzlicher positiver Effekt ist, dass durch den Verzicht auf die Pasteurisation der Olivenprodukte Energie eingespart wird, was wiederum den CO2-Fußabdruck reduziert.

Hier findet ihr meine Rezepte mit den MANI-Olivenprodukten

Griechenland gilt nicht gerade als Wirtschaftsstandort. Welche Probleme erlebt ihr im Alltag und was sind eure größten Schwierigkeiten? Wie geht ihr damit um?

Felix: Wir sind der größte Arbeitgeber in der Region und es ist sicherlich nicht einfach für alle. Aber gerade weil Griechenland kein “typischer Wirtschaftsstandort” ist, ist es prädestiniert für die Verarbeitung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten. Kein “typischer Wirtschaftsstandort” heißt ja auch, dass jede Art von letztlich meist umweltbelastender Industrie kaum anzutreffen ist. Das ist zwar schlecht für das industrielle Potenzial des Landes, aber es ist günstig für das ökologische Potenzial. 

Wir sind uns auch unserer Vorreiter-Rolle bewusst und empfehlen anderen griechischen Unternehmern, dieses Potenzial zu nutzen und soweit auch nur irgend möglich, auf den Öko-Zug aufzuspringen.

Foto: MANI
Foto: MANI

Kannst du schon verraten, was man in Zukunft noch von MANI erwarten kann? 

Felix: Ich kann im Moment nur so viel verraten, dass wir Anfang nächsten Jahres ein unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit besonderes Olivenöl vorstellen werden. 

Und zum Schluss: Was wünscht Ihr Euch von der Bio-Branche? 

Felix: Dass immer mehr Menschen die Bedeutung von Bio für die Natur aber auch fürs eigene Wohlbefinden erkennen und bereit sind faire Preise zu bezahlen. 

Fritz: Und dass die Branche dieses bemerkenswerte Wachstum, das während der ersten Welle von COVID-19 zu verzeichnen war, beibehalten möge. Das setzt auch voraus, dass bei den Konsumenten die spürbare Zunahme der Bewusstwerdung von Zusammenhängen zwischen Landwirtschaft, Ernährung, Lebensstil und Lebenstempo auf der einen Seite und ein in-den-Fokus-Rücken von Glück, Sinn und Werten auf der anderen, sich weiter so positiv entwickeln.

Vielen Dank für dieses interessante Interview!

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