Naturkosmetik

Mein Umstieg auf Naturkosmetik

Da mein Freund jahrelang unter Neurodermitis litt, waren kortisonhaltige Cremes sein ständiger Begleiter. Wer sich einmal mit den Nebenwirkungen von Kortison beschäftigt, weiß, dass das keine Dauerlösung ist. Ohne ging es aber scheinbar auch nicht, da gerötete und juckende Stellen nicht auszuhalten waren. Auch schuppige Kopfhaut gehörten sowohl zu seinem als auch zu meinem Alltag, die ich allerdings fleißig mit einer täglichen Portion Head and Shoulders bekämpfte und damit mehr oder weniger gute Erfolge erzielte. Da die Haut meines Freundes nicht besser, sondern vor allem dünner wurde, fingen wir irgendwann an, uns mit Inhaltsstoffen auseinander zu setzen.

Was sind die Alternativen?

Wie geht man vor, wenn man sich gegen schädliche Inhaltsstoffe entscheiden möchte? An einen richtigen Umstieg auf Naturkosmetik war damals noch nicht zu denken. Ich wollte lediglich Produkte kaufen, die nicht „schädlich“ sind. Musste ich mich also wirklich ab sofort mit jedem einzelnen Inhaltsstoff befassen? Wo finde ich Information dazu und wo findet man überhaupt gute Produkte? Puh, ganz schön kompliziert. Diese und ähnliche Gedanken gingen mir damals durch den Kopf.

Nach ersten Recherchen beschloss ich zunächst auf die Inhaltsstoffe Sodium Lauryl Sulfate und Sodium Laureth Sulfate sowie auf Silikone zu verzichten.

Da ich bis dato lediglich Schuhe und Bücher im Internet bestellt hatte, waren mir Onlineshops für Kosmetik bzw. ausschließlich für Naturkosmetik, fremd. Also ging ich in die Drogerie. Meine erste Anlaufstelle war Weleda – diese Produkte gab es ja schon als ich Kind war. Ich weiß noch, dass meine Mutter auf die Produkte geschworen hat. Da ich mein Schuppenproblem weiterhin bekämpfen wollte, griff ich zum Rosmarin Shampoo von Weleda, das ich und mein Freund dann mehrere Wochen verwendet haben. Erst viel später entdeckte ich in der Inhaltsstoffliste Sodium Laureth Sulfate. Wie konnte das passieren? Ich dachte, bei Weleda ist auf gute Inhaltsstoffe Verlass. Pustekuchen. Inzwischen hat Weleda das Shampoo übrigens aus dem Sortiment genommen. Es mussten also neue Produkte her und ich ging wieder in die Drogerie. Lavera und Alverde waren jetzt meine erste Wahl, was ich schnell bereute, da ich mit deren nicht zurecht kam.

Es war so schrecklich

Der Umstieg weg von meinen geliebten konventionellen Produkten zu den Shampoos aus dem Naturkosmetik-Bereich habe ich wirklich negativ in Erinnerung. Meine Schuppen wurden nicht weniger, meine Haare fetteten mindestens genauso schnell nach, außerdem fühlten sie sich nach der Haarwäsche nicht richtig sauber an, sie sahen stumpf aus und außerdem juckte meine Kopfhaut. Na toll. Die Neurodermitis von meinem Freund war nach etwa einem Jahr Shampoo-Prozedur zwar nahezu verschwunden, aber mir juckte den ganzen Tag der Kopf. Das war irgendwie nicht das, was ich wollte.

Natürlich war ich nicht standfest

Da ich mehr schlechte als gute Erfahrungen machte, habe ich mir wieder ein konventionelles Produkt gekauft und es abwechselnd mit Naturkosmetik verwendet. Damit habe ich mich recht gut gefühlt. Natürlich nicht lange. Denn mein Interesse für Inhaltsstoffe blieb weiter bestehen. Ich sah diverse Dokumentation über aggressive Tenside und krebserregende Stoffe in Kosmetika und fing an, mich auch in anderen Bereichen des Lebens mit Inhaltsstoffen und Herstellungsverfahren auseinanderzusetzen. Als wir dann auch noch umgezogen sind und anfingen, im Bioladen einzukaufen, konnte ich es einfach nicht mehr mit mir selbst vereinbaren, konventionelle Pflegeprodukte zu verwenden. Zwischen dem Absetzen diverser Kortisoncremes und dem ersten Weleda-Shampoo bis zum Umzug und ersten Einkäufen im Bio-Laden lagen übrigens ungefähr zwei Jahre! Wahnsinn oder?

Umstieg auf Naturkosmetik – meine Erfahrungen

Im Bioladen wurde ich fündig

Wenn ich eh im Bioladen einkaufe, kann ich auch meine Kosmetik hier besorgen. Dann werde ich zumindest nicht von „schlechten“ Produkten abgelenkt. Nach ein paar weiteren Shampoos, die ich getestet habe, bin ich bei der Marke Khadi gelandet, deren Shampoos ich untereinander abgewechselt habe. Parallel habe ich angefangen, meine Haare mit Pflanzenhaarfarbe zu färben, wodurch auch die nötige Portion Pflege gewährleistet war. Mit dieser Routine war ich lange zufrieden, bis mich allerdings die Lust und das Interesse packte, weitere Marken und Produkte auszuprobieren. Da es meine Haare jetzt gewohnt sind, ohne Silikone, aggressive Tenside und sonstige schädliche Inhaltsstoffe auszukommen, nehmen mir weder meine Haare noch meine Kopfhaut einen Shampoo-Wechsel übel. Einige meiner liebsten NK-Shampoos habe ich euch bereits hier vorgestellt.

Ich könnte jetzt noch ewig darüber berichten, wie ich auch meine anderen Pflegeprodukte sowie Dekoratives auf Naturkosmetik umgestellt habe, aber das würde definitiv diesen Artikel sprengen. Sagt mir aber gerne, ob euch das ebenfalls interessiert.

Mit diesem Artikel will ich euch lediglich zeigen, dass mein Umstieg auf Naturkosmetik alles andere als leicht war und mindestens zwei Jahre gedauert hat. Zwar war das ein langer und nervenaufreibender Weg, aber es hat sich definitiv gelohnt: Die Neurodermitis meines Freundes ist so gut wie gar nicht mehr vorhanden und ich habe meine Schuppen auch im Griff.

Zum Abschluss habe ich noch 5 Tipps, die euch beim Umstieg helfen

1. Nicht alles auf einmal
Bei mir hat es mit Shampoo angefangen, was bereits ein riesiger Akt für mich war. Hätte ich von Anfang an alle meine Produkte umstellen wollen, wäre ich ganz sicher gescheitert.

2. Bleibt dran
Es kann und wird Wochen oder sogar Monate dauern, bis sich euer Körper auf die veränderten Rezepturen der Produkte einstellt.

3. Naturkosmetik ist nicht automatisch verträglich
Auch bei Naturkosmetik kann es sein, dass ihr verwendete Inhaltsstoffe nicht vertragt. Zum Beispiel mit ätherischen Ölen oder einer großen Menge Alkohol, die in manch günstigem Naturkosmetik-Produkt vorkommt, haben viele Menschen Probleme.

4. Ausprobieren, aber bitte nicht ständig wechseln
Klar, das Entdecken und Ausprobieren neuer Marken ist spannend und macht Spaß. Wenn ihr aber empfindliche Haut habt, solltet ihr eure Pflege nicht ständig neu erfinden.

5. Naturkosmetik kann auch nicht alles
Bei Hautproblemen zählen nicht nur die äußeren Einflüsse. Auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für ein gesundes Hautbild essentiell. Fragt euch also mal unabhängig von eurer Kosmetik, was ihr eurem Körper sonst noch „antut“.

Verwendet ihr ausschließlich NK? Wie lange hat euer Umstieg auf Naturkosmetik gedauert? Habt ihr zwischenzeitlich auch ans Aufgeben gedacht?

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9 Comments

  1. 1

    Ich habe ebenfalls mit Shampoo angefangen, weil meine Kopfhaut extrem zickig auf konventionelle Tenside reagiert hat. Mein Umstieg hat auch eine Weile gedauert, was aber vor allem an meiner Unwissenheit lag und dem naiven Glauben, dass mit NK alles besser wird. Wird es nicht, wenn man nicht grundsätzliche Hautpflege-Basics beachtet. Zwar ist NK vom Umweltaspekt her besser, aber nicht automatisch sind synthetische Inhaltsstoffe schlecht und nicht immer werden „natürliche“ Stoffe gut vertragen. Haut ist eben individuell. Inzwischen habe ich auch wieder ein paar KK-Produkte eingeschlichen, weil es einfach nichts ähnlich Verträgliches im NK-Bereich gibt. Damit ist meine Haut jetzt wirklich gut geworden. Nur an der Kopfhaut arbeite ich immer noch^^

    • 2

      Ich glaube, bei vielen beginnt der Umstieg mit dem Shampoo. Dass Naturkosmetik automatisch verträglicher ist und damit alles besser wird, ist natürlich ein Trugschluss. Aber ich komme inzwischen wirklich gut zurecht.

  2. 3

    Ich persönlich benutze 50% Naturkosmetik und 50% konventionelle Kosmetik. Silikonfreies Shampoo nehme ich schon seit ich 18 geworden bin, also mittlerweile fünf Jahre. Ich beschäftige mich schon immer mit Inhaltsstoffen, und stelle derzeit auf reizarme Naturkosmetik um.
    Liebe Grüße
    Nancy 🙂

    • 4

      Jaja, mit den Silikonen fängt es meistens an… 😉 Wenn du mit 50/50 gut zurecht kommst, ist das doch ein tolles Resultat. Der Umstieg auf reizarme Produkte ist dann ja auch nochmal eine Hürde. Hierfür muss man sich definitiv gründlich mit den Inhaltsstoffen befassen.

  3. 5

    Liebe Elisabeth,
    ich kann deinen Weg gut nachvollziehen. Ich habe gefühlt ewig gebraucht und 1000 Marken probiert. Und selbst jetzt, habe ich noch nicht meinen perfekten Weg gefunden. Aber so kommt man in den Genuss, verschiedene Produkte auszuprobieren 😉

    Ich glaube dennoch, dass viele denken, dass es mit „irgendwie NK“ schon gut wird. Dem ist aber nicht so und es ist auch in NK viel Müll enthalten. So versuche ich möglichst reizarme Produkte in der Gesichtspflege zu verwenden. In der Kosmetik sind mir vor allem vegane und vegetarische Produkte wichtig.
    So muss eben jeder seinen Weg finden. Eine Pauschalisierung ist eigentlich nicht möglich.

    Grünste Grüße

    • 6

      Das sehe ich auch so: Es gibt nicht den einen richtigen Weg oder die richtigen Produkte für jeden. Das ist auch etwas, das ich erst erkennen musste.
      Das Ausprobieren neuer Produkte schätze ich mittlerweile sehr 😉 Ich greife auch immer öfter zu reizarmen Produkten, aber (noch) nicht ausschließlich.
      Liebe Grüße

  4. 7

    Ich kann mich deinen Tipps nur anschließen. Der Umstieg ist nicht einfach und kann sich wirklich über Monate erstrecken. Gerade im Haarbereich bin auch ich noch nicht „angekommen“. Ich nutze von Alverde ein Shampoo welches mir eigentlich ganz gut gefällt, meine Haare auf Dauer aber austrocknet und bisher noch nicht so richtig von NK-Kuren oder Ölen wieder behoben werden konnte. In den Punkten Gesichts- und Bodypflege bin ich aber super zufrieden und kann mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen, auf KK-Produkte zurück zu wechseln 🙂

  5. 9

    Ich denke es liegt vor allem daran, dass Naturkosmetik nicht gleich Naturkosmetik ist.

    Da wird teilweise auch auf eine Welle aufgesprungen.

    Richtig glücklich wird man wohl auch erst, wenn man sich mit den Inhaltsstoffen befasst.
    Und ausprobiert was gut bekommt.

    Ich verwende selbst mittlerweile bei mir nur äußerst puristisch überhaupt Kosmetik.
    Die Haare wasche ich meist nur mit Wasser und spüle mit Essigwasser.
    An die Haut kommt natives Sesamöl.
    Und wenn ich mich schminke, dann mit Mineral MakeUp.
    Ich liebe Kosmetik. Aber ich selbst vetrage nicht viel.
    Und seit ich so puristisch unterwegs bin mit meiner Haut, vertrag ich auch immer mehr mal den Griff zum Lippenstift oder der Creme, wenn es schnell gehen muss.

    Schön dass du deinen Weg mit uns geteilt hast.

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