Antioxidantien begleiten uns überall – in Obst und Gemüse, in Tee und Gewürzen, in Hautpflege und Nahrungsergänzung. Ihr Job: freie Radikale ausbremsen und damit oxidativen Stress im Körper in Schach halten. In diesem Ratgeber klären wir, was Antioxidantien genau sind, wie sie wirken, welche Lebensmittel besonders viel antioxidativen Schutz liefern und wann eine Ergänzung sinnvoll ist.
Inhalt
- Antioxidantien – Das Wichtigste auf einen Blick
- Was sind Antioxidantien?
- Was sind freie Radikale?
- Antioxidantien – Wirkung im Körper
- Was ist der ORAC-Wert?
- Antioxidantien in Lebensmitteln – die besten Quellen
- Antioxidantien als Nahrungsergänzung – wann sinnvoll?
- Antioxidantien im Alltag – die besten Tipps zur Versorgung
- Fazit
- FAQ – Fragen und Antworten rund um Antioxidantien
Antioxidantien – Das Wichtigste auf einen Blick
- Antioxidantien neutralisieren freie Radikale und halten oxidativen Stress im physiologischen Gleichgewicht – Schutz für Zellmembranen, Proteine und DNA.
- Ziel ist Homöostase: Freie Radikale sind Teil von Signal- und Abwehrprozessen; problematisch wird ein Überschuss.
- Hauptquellen aus der Ernährung: Beeren, grünes Blattgemüse, Kreuzblütler (z. B. Brokkoli), Kräuter/Gewürze, Nüsse/Samen, hochwertiges Olivenöl, grüner Tee/Matcha, Kakao.
Was sind Antioxidantien?
Antioxidantien sind Verbindungen, die im Körper schädliche freie Radikale abfangen. Diese entstehen fortlaufend – etwa durch Stoffwechsel, UV-Strahlung oder Stress – und können in der Summe zu oxidativem Stress führen. Die antioxidative Wirkung besteht darin, solche Reaktionen zu entschärfen und Zellstrukturen wie Membranen, Eiweiße und Erbgut zu schützen.
Man unterscheidet grob zwischen körpereigenen Schutzsystemen (z. B. Enzyme wie Superoxiddismutase oder das Tripeptid Glutathion) und Stoffen, die wir über die Ernährung aufnehmen. Dazu zählen Vitamine wie Vitamin C und Vitamin E, Spurenelemente wie Selen und Zink sowie sekundäre Pflanzenstoffe aus Obst, Gemüse, Tee, Kakao, Kräutern und Gewürzen. Wichtig ist weniger ein einzelner „Powerstoff“ als das Zusammenspiel: wasserlösliche Komponenten wirken vor allem im Blut und Gewebe, fettlösliche stabilisieren Zellmembranen.
Ziel ist nicht, freie Radikale vollständig zu eliminieren – sie erfüllen im Organismus auch Aufgaben, etwa in der Immunabwehr. Entscheidend ist die Balance. Eine vielfältige Ernährung schafft dafür eine gute Grundlage.

Was sind freie Radikale?
Freie Radikale sind hochreaktive Sauerstoffverbindungen, denen ein Elektron fehlt. Um dieses Defizit auszugleichen, reagieren sie besonders leicht mit umliegenden Molekülen – etwa mit Fettbestandteilen von Zellmembranen, Proteinen oder der DNA. Entstehen zu viele dieser Reaktionen, spricht man von oxidativem Stress.
Gebildet werden freie Radikale ständig: im normalen Stoffwechsel (z. B. in den Mitochondrien), bei Entzündungsprozessen und durch äußere Faktoren wie UV-Strahlung, Luftschadstoffe, Zigarettenrauch, Alkohol oder anhaltenden psychischen Stress. Auch sehr intensive körperliche Belastung kann vorübergehend die Produktion erhöhen.
Wichtig ist das Gleichgewicht. In moderater Menge haben freie Radikale Funktionen, etwa in der Immunabwehr. Problematisch wird es erst, wenn die körpereigenen Schutzsysteme und zugeführte Antioxidantien die Last nicht mehr ausgleichen. Dann steigt das Risiko für Schäden an Zellstrukturen – mit möglichen Folgen wie vorzeitiger Hautalterung, chronischer Entzündungsaktivität oder Funktionsverlust in besonders stoffwechselaktiven Geweben.
Antioxidantien – Wirkung im Körper
Antioxidantien wirken als „Puffer“ gegen oxidativen Stress. Sie stoppen Kettenreaktionen, die entstehen, wenn freie Radikale Zellmembranen, Proteine oder DNA angreifen. Das Prinzip ist simpel: Antioxidantien geben ein Elektron ab, ohne selbst instabil zu werden – so werden reaktive Moleküle neutralisiert und die Ausbreitung weiterer Reaktionen unterbunden. Dass dieser Schutzmechanismus auch funktionell relevant ist, zeigt eine aktuelle Meta-Analyse mit 39 randomisierten Studien bei älteren Erwachsenen: Antioxidantien verbesserten Muskelkraft und Performance; am stärksten war der Effekt in Kombination mit Training.
Diese Effekte spielen sich an verschiedenen Orten ab: wasserlösliche Antioxidantien (z. B. Vitamin C) wirken vor allem im Blutplasma und im Zellinneren, fettlösliche (z. B. Vitamin E, Carotinoide) schützen Membranen und Lipidstrukturen. Spurenelemente wie Selen und Zink sind als Co-Faktoren antioxidativer Enzyme (u. a. Glutathionperoxidase, Superoxiddismutase) beteiligt und unterstützen den körpereigenen Schutz.
Wichtig ist das Gleichgewicht: Ziel ist nicht, alle freien Radikale zu eliminieren – sie haben auch Aufgaben in der Immunabwehr und Signalweiterleitung. Entscheidend ist, überschüssige Reaktivität zu dämpfen. In der Praxis äußert sich die antioxidative Wirkung vor allem in zwei Bereichen:
- Zellschutz: Reduktion oxidativer Schädigungen an Membranen, Proteinen und Erbgut – relevant für Haut, Gefäße und Nervensystem.
- Entzündungsbalance: Da oxidative Prozesse und chronische Entzündung oft zusammenhängen, kann eine gute antioxidative Versorgung pro-entzündliche Signale abmildern.
Wie stark Antioxidantien wirken, hängt von Kontext und Versorgungslage ab: Ernährungsqualität, Schlaf, Stress, Bewegung, Mikronährstoffstatus und Alter spielen zusammen. Eine vielfältige Kost liefert die Basis.
Was ist der ORAC-Wert?
Der ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity) beschreibt die antioxidative Kapazität eines Lebensmittels in einem standardisierten Labortest: Wie gut kann eine Probe freie Radikale im Reagenzglas neutralisieren? Ein hoher Wert weist auf stark antioxidative Eigenschaften hin – besonders häufig bei Gewürzen, Beeren, Kakao und grünem Blattgemüse.
Wichtig zur Einordnung: Der ORAC-Wert ist ein Laborindikator, kein Gesundheitsindex. Wie stark ein Lebensmittel im Körper wirkt, hängt u. a. von Bioverfügbarkeit, Zubereitung, Kombination mit Fetten/Proteinen und der gesamten Ernährungsweise ab. Als Orientierung hilft er trotzdem, antioxidativ reiche Lebensmittel zu identifizieren.
Beispielwerte pro 100 g (Richtwerte):
- Nelken (getrocknet): > 290.000
- Dunkle Schokolade (≈ 85 %): ≈ 21.000
- Aroniabeeren: ≈ 16.000
- Blaubeeren: ≈ 4.700
- Grünkohl (roh): ≈ 1.770
Kurz gesagt: Nutzt den ORAC-Wert als Wegweiser für antioxidative Lebensmittel – ohne euch an einzelnen Zahlen festzubeißen. Vielfalt und regelmäßige Aufnahme sind entscheidender als der exakte Wert.
Antioxidantien in Lebensmitteln – die besten Quellen
Antioxidantien in Lebensmitteln finden sich vor allem in farbintensivem Obst und Gemüse, Kräutern, Gewürzen, Nüssen/Samen sowie hochwertigen Ölen. Entscheidend ist die Vielfalt – unterschiedliche Farben stehen für unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe und damit für mehr antioxidative Lebensmittel auf dem Teller.
Starke Gruppen und Beispiele
- Beeren: Heidelbeeren, Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, Aronia (reich an Anthocyanen).
- Kräuter & Gewürze: Kurkuma, Oregano, Thymian, Zimt, Nelken (sehr polyphenolreich).
- Grünes Blattgemüse: Spinat, Grünkohl, Rucola, Feldsalat (Vitamin C, Carotinoide, Chlorophyll).
- Kreuzblütler: Brokkoli, Rosenkohl, Kohlrabi, Radieschen (u. a. Sulforaphan).
- Nüsse & Samen: Walnüsse, Mandeln, Leinsamen, Chiasamen (Vitamin E, Begleitstoffe, Omega-3).
- Hochwertige Öle: Natives Olivenöl extra, Leinöl, Arganöl (Vitamin E, Polyphenole).
- Tee, Kakao & Kaffee: Grüner Tee/Matcha (Catechine), Kakao/dunkle Schokolade (Flavanole), Kaffee (Polyphenole).
- Orange/rote Sorten: Tomaten (Lycopin), Karotten/Kürbis (Beta-Carotin), Paprika/Granatapfel (Polyphenole).
Alltagstipps – so kommt mehr „antioxidativ“ auf den Teller
- Bunt essen: Pro Tag 3-5 Farben anstreben – das erhöht die Bandbreite an antioxidativen Lebensmitteln.
- Mit Fett kombinieren: Carotinoide sind fettlöslich (z. B. Salat + Olivenöl).
- Würzen: 1-2 TL Kräuter/Gewürze pro Mahlzeit heben die Polyphenolbilanz.
- Frisch & schonend: Dämpfen/Dünsten, Rohkost anteilig einplanen.
Dass polyphenolreiche Lebensmittel Marker für oxidativen Stress messbar beeinflussen können, zeigt eine Meta-Analyse zu Olivenöl-Polyphenolen: Mit steigendem Phenolgehalt sanken oxidativen Stress-Biomarker konsistent.

Antioxidantien als Nahrungsergänzung – wann sinnvoll?
Eine Ergänzung ist nicht grundsätzlich erforderlich. Sie kommt in Frage, wenn über einen längeren Zeitraum besondere Belastungen bestehen, wenn die Lebensmittelauswahl vorübergehend eingeschränkt ist – etwa auf Reisen – oder wenn im höheren Alter beziehungsweise nachgewiesenen Mikronährstoffdefiziten gezielt nachgesteuert werden soll. In solchen Fällen kann eine zeitlich befristete, maßvoll dosierte Supplementierung eine Lücke schließen.
Die Evidenz spricht für Zurückhaltung bei isolierten Hochdosen einzelner Antioxidantien wie Beta-Carotin oder Vitamin E, da in mehreren Übersichten kein konsistenter Nutzen und teils Risiken beschrieben werden. Polyphenolbasierte Präparate wie OPC, Quercetin oder Catechine zeigen demgegenüber moderate, kontextabhängige Effekte auf Marker für oxidativen Stress und Entzündungsbalance. Praktisch bedeutet das: Qualität vor Menge, realistische Dosierungen, gute Bioverfügbarkeit sicherstellen und nach acht bis zwölf Wochen Wirkung und Verträglichkeit erneut prüfen.
Wichtig zur Einordnung: Vitamin D zählt nicht zu den klassischen Antioxidantien, kann jedoch über die Regulation von Entzündungs- und Immunprozessen indirekt auf oxidativen Stress einwirken. Viele entscheiden sich in lichtarmen Monaten – nach Bestimmung des Blutwerts – für eine ergänzende Versorgung, häufig in Form von Vitamin D3 K2 Kapseln. Das kann eine sinnvolle Flankierung sein, ersetzt jedoch keine ausgewogene, antioxidativ geprägte Ernährung. Bei Dauermedikation, Schwangerschaft oder vor operativen Eingriffen sollte die Einnahme ärztlich abgestimmt werden.
Antioxidantien im Alltag – die besten Tipps zur Versorgung
Hier sind alltagstaugliche Quick-Wins, mit denen ihr ohne großen Aufwand mehr antioxidativen Schutz in euren Tag bringt – über Ernährung, Routinen und ein paar smarte Gewohnheiten:
- Farbenroutine: Plane pro Tag 3-5 Farben auf dem Teller (z. B. Blaubeeren, Spinat, Paprika, Karotte, rote Zwiebel). Vielfalt = breites Spektrum an natürlichen Antioxidantien.
- Smarte Zubereitung: Dämpfen/Dünsten statt langem Braten; empfindliche Zutaten (Beeren, Kräuter) möglichst frisch oder nur kurz erhitzen.
- Fett als „Taxi“: Carotinoide & Vitamin E sind fettlöslich – Salat mit Olivenöl, Karotten mit Nüssen/Samen kombinieren.
- Würz-Power: Täglich 1-2 TL Kräuter/Gewürze (Kurkuma, Oregano, Zimt, Thymian, Nelken) erhöhen die Polyphenol-Bilanz spürbar.
- Tee-Timing: Grünen Tee mit 70-80 °C aufgießen, 2-3 Minuten ziehen lassen (Catechine bleiben bekömmlich).
- Tiefkühl clever: TK-Beeren sind nährstoffschonend verarbeitet und ganzjährig verfügbar – ideal für Porridge, Joghurt, Smoothies.
- Bitterstoffe einbauen: Rucola, Radicchio, Chicorée fördern nebenbei die Verdauung und liefern Begleitstoffe.
- Schlaf & Pausen: 7-8 h Schlaf und kurze „Digital-Detox“-Fenster senken oxidativen Stress messbar.
- Sonne mit Maß: Kurze, regelmäßige Sonnenexposition unterstützt den Vitamin-D-Status; Hautschutz beachten.
- Supplemente mit Augenmaß: Erst Ernährung optimieren, dann gezielt ergänzen (Qualität, Dosierung, Bioverfügbarkeit prüfen).
Fazit
Antioxidantien sind unverzichtbar – nicht als Wunderpille, sondern als tragende Säule im Zusammenspiel mit Ernährung, Schlaf, Stressmanagement und moderater Sonnenexposition. Wer auf eine vielfältige Kost setzt und bei Bedarf maßvoll ergänzt (Qualität vor Menge), schafft eine stabile Basis für langfristigen antioxidativen Schutz. Der ORAC-Wert taugt als Orientierung, ersetzt aber nicht den Blick auf Bioverfügbarkeit und den Gesamtkontext.
FAQ – Fragen und Antworten rund um Antioxidantien
Wie wirken Antioxidantien?
Sie fangen freie Radikale ab und reduzieren so oxidativen Stress. Damit schützen sie Zellmembranen, Proteine und DNA – die antioxidative Wirkung hängt jedoch vom Gesamtlebensstil (Ernährung, Schlaf, Stress) und der Versorgungslage ab.
Welche antioxidativen Lebensmittel sind am stärksten?
Praktisch relevant sind Beeren (v. a. dunkel), Kräuter/Gewürze wie Kurkuma, Oregano, Zimt, Nelken, grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl), Kreuzblütler (Brokkoli), Nüsse/Samen, natives Olivenöl, grüner Tee/Matcha sowie dunkle Schokolade.
ORAC-Wert: nützlich oder überschätzt?
ORAC misst die antioxidative Kapazität im Labor und hilft zur groben Orientierung. Er ersetzt aber keine Bewertung der Bioverfügbarkeit oder eurer gesamten Ernährung. Nutzt ihn als Richtwert – Vielfalt bleibt wichtiger als einzelne Höchstwerte.
Reicht Ernährung – oder sind Antioxidantien als Nahrungsergänzung sinnvoll?
Für viele genügt eine pflanzenbetonte, frische Kost. Ergänzungen können in Belastungsphasen sinnvoll sein, sofern Qualität und Dosierung passen.
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