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Warum es sich lohnt, regionale Lebensmittel einzukaufen

von Elisabeth

Es ist so einfach und bequem: Wir gehen in den Supermarkt, lassen uns vom Angebot leiten und kaufen das, worauf wir Lust haben. Dabei hinterfragen wir in den meisten Fällen nicht, was wir essen, geschweige denn, wo es herkommt. Bei mir hat sich das bereits vor Jahren geändert. Ich habe angefangen, im Bioladen einzukaufen, auf Wochenmärkten zu stöbern und wenn es geht, auch mal nach Brandenburg zu fahren, um selbst etwas zu ernten bzw. mir vor Ort ein Bild zu machen und die Erzeuger von Obst, Gemüse und auch Fleisch zu unterstützen.

Regionales Gemüse

Foto: Caroline Prange

Was bedeutet überhaupt regional?

Regionales Obst und Gemüse ist immer auch saisonales Obst bzw. Gemüse. Anders herum klappt das allerdings nicht so einfach. Denn auch wenn Erdbeer-Saison hier in Deutschland ist, finden sich im Supermarkt oftmals Erdbeeren aus Spanien. Regionale Lebensmittel kommen aber nicht nur aus dem Umland, sondern werden im besten Fall auch noch vor Ort verarbeitet. Die Produkte können dadurch reif geerntet werden, haben kürzere Transportwege, einen höheren Nährstoffgehalt, wenn sie bei euch ankommen und nicht zuletzt überzeugt auch der Geschmack. Anders ist das oftmals bei Massenware im Supermarkt, deren Gewinn zu großen Teilen bei Konzernen landet und die kleinen Bauern nur gering entlohnt. Neben ökologischen Vorteilen bietet regionale und saisonale Ernährung also auch ökonomische Vorteile.

Bereicherung statt Verzicht

Darauf zu achten, Lebensmittel aus der Region zu essen, bedeutet keinesfalls Verzicht, sondern viel mehr Kompromiss bzw. Bereicherung. Seit ich mich mit regionalen Lebensmitteln auseinandersetze, ist die Vielfalt in meinem Kühlschrank definitiv gewachsen. Früher waren mir Pastinaten, Teltower Rübchen, Mangold und Postelein kein Begriff. Inzwischen sind sie – sobald deren Saison beginnt – Dauergast auf meinem Speiseplan. Deshalb kann ich dem Vorurteil, dass regionale und saisonale Ernährung einseitig sei, klar widersprechen. Aber Kompromisse muss man natürlich machen. Wer alles immer und überall, dazu in Bio-Qualität und am besten fast geschenkt haben möchte, wird es schwer haben. Dennoch kann ich euch ans Herz legen, euch für das Thema Regionalist zu interessieren, weil es eine enorme Bereicherung bedeutet.

Es geht auch brutal lokal

Einer, der meine Meinung teilt und mit regionalen Lebensmitteln sogar sein täglich Brot verdient, hat mir für diesen Artikel Rede und Antwort gestanden: Billy Wagner. Der international bekannte Sommelier hat im letzten Jahr das Restaurant „Nobelhart und Schmutzig“ gegründet, in dem das Motto „brutal lokal“ Programm ist – alle dort verwendeten Zutaten kommen aus der Region.

Welches sind deine liebsten regionalen Lebensmittel, die bei vielen Menschen in Vergessenheit geraten sind?

Die Wildkräuter und Rüben von einem unserer Bauern, Roberto Vena.

Billy Wagner Interview über regionale Lebensmittel

Foto: Marko Seifert

Wie definierst du für dich regional?

Für Speisen: Durch den Umkreis, also wie weit etwas weg ist, ob wir die Menschen hinter dem Produkt kennen und ob wir schon dort gewesen sind und wissen, woher das Produkt kommt.

Für Wein: Wein trinken aus Rebsorten, die ausschließlich in einer Region daheim sind und die geschmacklich unterschiedliche Merkmale zeigen. Wein als Kulturgetränk begreifen und die Verbindung zwischen Land, Leuten und Getränk verstehen. Auch wenn Cabernet aus Sizilien auch betrunken macht, hat man für die Pflanzung von Cabernet Sauvignon alte Rebsorten rausgerissen. Hier zerstört man eine Kulturlandschaft und trägt mit jeder gekauften Flasche Cabernet Sauvignon dazu bei, dass alte Rebsorten verloren gehen.

Wieso ist es so wichtig, dass wir wieder mehr regionale Lebensmittel kaufen?

Diversität. Unabhängigkeit.

Wer profitiert noch davon?

Du als Mensch. Du bist, was du isst.

Ist es leichter, in der Stadt oder auf dem Land regionale Lebensmittel zu bekommen?

Keine Ahnung. Ich wohne nur in der Stadt.

„Ich bin armer Student und kann nur bei Aldi einkaufen.“ – Was hältst du von solchen Aussagen?

40 Euro im Berghain am Wochenende auszugeben ist auch möglich und für 1 Gramm Speed oder Koks ist auch immer Geld da. Deswegen sage ich nein. Wenn du wirklich regional und saisonal einkaufst, dann ist das nicht teurer. Kaufst du natürlich immer nur das ein, was du willst, dann funktioniert das nicht. Wir sollten mehr das einkaufen was es gibt, anstatt das, was wir wollen.

Was sind deine persönlichen Einkaufstipps, wenn jemand regionale Lebensmittel einkaufen möchte? Wie geht man am besten vor?

Gehe auf den Markt und frage woher die Gemüse bei den Händlern oder Bauern kommen. Viele kaufen zu. Das ist immer teurer. Das was sie selber anbauen, ist meist super günstig.

Wie gelingt es, dieses Kaufverhalten auch auf andere Bereiche zu adaptieren?

Bewusstheit.

Vielen Dank für das Interview.

Noch mehr von Billy Wagner, das definitiv zum Nachdenken anregt, seht und hört ihr in diesem Video:

Wo kauft ihr eure Lebensmittel ein? Achtet ihr auf Regionalität?

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13 Kommentare

Mari 5. Februar 2016 - 1:15 pm

Ich kaufe fast überall ein, je nachdem wie sich die Möglichkeit gerade ergibt. Eine zeitlang habe ich in der Nähe von einem Hofladen gewohnt, dann hab ich auch dort eingekauft. Wenn sich die Zeit ergibt, gehe ich auch total gerne auf den Markt, mein Problem ist nur, dass ich Samstags lange schlafe. Ich kaufe viel Bio, allerdings halte ich es sogar für sinnvoller regional zu kaufen. Letztens habe ich zum Beispiel beim Rewe einen regionalen Wirsing gekauft, der war dann eben nicht Bio. Dafür super günstig. In größeren Rewe-Geschäften und je nach Stadt gibt es dort auch einige regionale Produkte. Leider habe ich da in meiner Stadt Pech, hier ist es wirklich schwierig regionale Produkte zu bekommen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass regional kaufen teurer ist, weil man eben saisonal kaufen muss, dass hängt eher damit zusammen, dass viele regionale Produkte im Bio-Qualität angeboten werden.
Ich mag es sowieso saisonal zu kaufen, bestimmte Produkte haben für mich im Winter nichts zu suchen, zum Beispiel Erdbeeren und Spargel. Ich freue mich immer auf die Zeit im Jahr, überfresse mich dann und bin dann froh, wenn es die erst mal nicht mehr gibt =D.
Liebe Grüße
Mari

Reply
Elisabeth 5. Februar 2016 - 6:50 pm

Liebe Mari,
das klingt sehr vorbildlich. Ist doch super, dass du so ein Bewusstsein dafür hast. Das fehlt den meisten leider. 🙂 Haha, das mit dem Überfressen kommt mir bekannt vor…
Viele Grüße
Elisabeth

Reply
Tanja 5. Februar 2016 - 7:13 pm

Ansich eine tolle Sache, aber die Aussage Billy Wagners „40 Euro im Berghain am Wochenende auszugeben ist auch möglich und für 1 Gramm Speed oder Koks ist auch immer Geld da. Deswegen sage ich nein. Wenn du wirklich regional und saisonal einkaufst, dann ist das nicht teurer.“, stimmt nicht und ist ein Hohn für die Menschen, die weder für das eine noch für das andere Geld haben! So etwas regt mich auf, wie wäre es mit Ehrlichkeit? Ja es gibt Menschen, die können sich auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Leben nicht leisten und dies ist in unserem System Fakt! Und dies sind nicht wenige, sondern viele und immer mehr!

Reply
Elisabeth 5. Februar 2016 - 7:44 pm

Hallo Tanja,
vielen Dank für deinen Kommentar. Ich gebe dir Recht, die Aussage ist natürlich überspitzt. Aber Fakt ist doch, dass es oftmals um Prioritätensetzung geht. Dass ein nachhaltiger Lebensstil prinzipiell teurer ist, kann ich nicht bestätigen. Aber man muss natürlich unterscheiden: Ich verstehe absolut, dass nicht jeder im Bioladen einkaufen kann oder will, aber regionale Lebensmittel sind überraschend günstig zu bekommen – auf dem Wochenmarkt und auch im Supermarkt. Achte mal auf Wurzelgemüse, Kohl und Co. Ein gesunder Eintopf daraus ist allemal günstiger als das Fastfood um die Ecke. Und leckerer sowieso.

Insbesondere, wenn es um Lebensmittel geht, bedeutet Nachhaltigkeit für mich nicht nur, Saisonales bzw. Regionales zu essen, sondern Lebensmittel Wert zu schätzen und ganzheitlich zu verwerten. Es muss nicht immer nur das Filet vom Fleisch sein, Schalen von Möhren und Grünzeug vom Kohlrabi landen bei mir im Smoothie etc.

Liebe Grüße

Reply
Tanja 5. Februar 2016 - 10:40 pm

Hallo Elisabeth,

die Aussage ist unreflektiert und eindimensional. Es werden Themen vermischt, populistisch vereinfacht und moralischer Druck aufgebaut, als hätte jeder eine Wahl (nicht nur monitär, sondern auch aufgrund langer oder vieler Entsagungen, bildungbedingt etc.). Von Menschen, die sich so dezidiert mit Prioritätensetzung, Nachhaltigkeit, Moral, korrektem Umgang mit Lebensmitteln etc. auseinandersetzen, erwarte ich keine Verunglimpfung a la Bildzeitungsheadline, die blasiert ihre Thesen als für jedermann erfüllbar darstellt.

Und deinen Vorschlag nicht immer Filet zu essen, sondern alles zu verwerten, auch Schalen, ist sicher für diejenigen die die Freiheit haben zwischen Filet und Schalen zu wählen ein absolut wünschenswerte Einstellung, aber was ist mit denen die nicht wählen können? Wie wirkt dies auf solche Menschen?
Mir geht es nicht darum, die Einstellung Lebensmittel wert zu schätzen schlecht zu machen! Im Gegenteil! Toll! Bewundernswert! Vorbildhaft! Guter Input! Und vielleicht ist im Endeffekt dann von allem auch mehr für alle da, wertschätzt damit auch Menschen!

Mich störte die Unreflektiertheit deines Interviewpartners, die er anderen im Umgang mit Lebensmitteln vorgewirft. Und mich regen Menschen auf, die aus ihrer wohlsituierten Position heraus die Welt betrachten und denken, dies gilt für alle.

Viele Grüße,
Tanja

Reply
Elisabeth 8. Februar 2016 - 8:59 am

Hallo Tanja,
natürlich trifft das nicht auf alle Menschen zu. Wer wirklich Hunger leiden muss oder aus anderen Gründen keinen Zugang zu Lebensmitteln hat, für den ist das Thema „regionale Lebensmittel oder nicht“ in der Tat ein Luxus-Problem. Hier geht es eher um die Menschen, die eine Wahl haben. Und von denen gibt es mehr als genug.
Viele Grüße
Elisabeth

Reply
Tanja 9. Februar 2016 - 5:24 pm

Hallo Elisabeth,

wenn es um Menschen geht, die eine Wahl haben, dann sollte eben nicht die Behauptung aufgestellt werden, dass „arme Studenten“ diese haben.

Viele Grüße,
Tanja

Jenny Zeitvertreib 7. Februar 2016 - 6:34 pm

Liebe Elisabeth,

der Artikel trifft genau meinen Geschmack. Bei mir steht bio zwar noch vor Regionalität, da ich auf die Pestizide gerne verzichten will. In unserem Bioladen bekomme ich aber immer auch regionales. Biokartoffeln aus Ägypten sind für mich nicht tragbar.
Gerade habe ich einen Artikel über Bio-Eier veröffentlicht, hier finde ich es z.b. besser den Hühnerhof zu kennen und die Bedienungen dort als dass die Hühner unbedingt Bio-Futter bekommen!

Viele Grüße
Jenny

Reply
Elisabeth 8. Februar 2016 - 9:01 am

Liebe Jenny,
super Herangehensweise! Die Kartoffeln aus Ägypten lasse ich auch liegen. 🙂

Viele Grüße

Reply
Tanja Kathrin 8. Februar 2016 - 9:47 am

Ein schöner Artikel, vielen Dank!
Ich muss dann gleich mal googeln, was „Postelein“ sind 🙂

Reply
Elisabeth 9. Februar 2016 - 10:37 am

Liebe Tanja, es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt! Lg

Reply
Julia 14. Februar 2016 - 9:29 am

Sehr interessanter Post. Finde es super, dass sich die Gesellschaft in eine solche Richtung entwickelt. Oder zumindest Teile von ihr…! Denn während überall Bio-Läden aus der Erde sprießen, gibt es trotzdem immer ein breiteres Angebot an Billigfleisch etc etc etc.

Kennst Du zufällig die Öko-Kiste? Mögen wir total gerne. Es werden einem regionale und saisonale Produkte (hauptsächlich Gemüse) geliefert. Man setzt sich einfach wieder mehr mit dem Thema „was esse ich eigentlich“ auseinander – das finde ich gut.

Ganz liebe Grüße! Hab einen wundervollen Sonntag 🙂

Julia

Reply
Elisabeth 17. Februar 2016 - 10:05 am

Hallo Julia, es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt. 🙂 Von der Öko-Kiste habe ich schon gehört, aber sie selbst noch nicht in Anspruch genommen. Hier in Berlin habe ich einfach so viele Möglichkeiten, (gesunde & regionale) Lebensmittel einzukaufen.

Liebe Grüße
Elisabeth

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