Neue Herbstmode, strengere Regeln für unverkaufte Kleidung und mehr Transparenz beim Einkauf: Im August bewegt sich in der Modebranche einiges. Das sind die wichtigsten Fashion News mit Nachhaltigkeitsbezug – von der Copenhagen Fashion Week über neue EU-Vorgaben bis zu LANIUS und H&M.
(Fair) Fashion News
Copenhagen Fashion Week: Nachhaltigkeit gehört zum Programm
Vom 3. bis 7. August zeigte die Copenhagen Fashion Week die Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2027. Marken auf dem offiziellen Schauenkalender müssen dabei 19 ökologische und soziale Mindestanforderungen erfüllen. Ein umfassendes Nachhaltigkeitssiegel ist das nicht, Kopenhagen setzt damit aber verbindlichere Maßstäbe als viele andere Modewochen.
Spannend ist vor allem die erneute Zusammenarbeit von Ganni und Stem. Aus vorhandenen Ganni-Stoffen entstanden neue Einzelstücke mit möglichst abfallarmen Schnitten. Skall Studio wiederum setzt auf dänische Wolle, die überwiegend vor Ort verarbeitet wird. Zwei interessante Beispiele dafür, wie vorhandene Materialien und regionale Lieferketten zeitgemäß genutzt werden können.
Neue EU-Regel: Unverkaufte Mode darf nicht mehr vernichtet werden
Seit dem 19. Juli dürfen große Unternehmen unverkaufte Kleidung, Schuhe und Accessoires in der EU grundsätzlich nicht mehr vernichten. Dazu zählen auch Überbestände und Retouren, die nicht erneut verkauft wurden.
Die Produkte sollen stattdessen länger im Verkauf bleiben, aufbereitet, repariert, gespendet oder recycelt werden. Für uns könnten dadurch mehr geprüfte Retouren, B-Ware und ältere Kollektionen in Outlets oder im Resale auftauchen. Noch wichtiger wäre allerdings, dass Marken ihre Mengen künftig besser planen und weniger Überschüsse produzieren.
Frankreich geht gegen Ultra-Fast-Fashion vor
Frankreich reguliert künftig besonders extreme Formen von Fast Fashion stärker. Ab September können für Anbieter mit riesigen, ständig wechselnden Sortimenten zusätzliche Umweltabgaben anfallen. Zudem sollen Herstellungsorte sowie ökologische und soziale Folgen deutlicher sichtbar werden.
Ab Januar 2027 soll auch Werbung für Ultra-Fast-Fashion eingeschränkt werden – einschließlich Kooperationen mit Influencern. Das Gesetz wurde zwar abgeschwächt und dürfte vor allem Plattformen wie Shein treffen. Trotzdem ist es ein wichtiges Signal: Erstmals rückt nicht nur das einzelne Kleidungsstück, sondern das gesamte Geschäftsmodell stärker in den Fokus.
Digitaler Produktpass: Mehr Informationen beim Einkauf
Seit Juli ist das zentrale EU-Register für digitale Produktpässe in Betrieb. Textilien gehören zu den Produktgruppen, für die das System künftig genutzt werden soll. Über einen QR-Code könnten später Informationen zu Materialien, Herkunft, Herstellung, Reparatur und Recycling abrufbar sein. Statt allgemeiner Aussagen wie „bewusst hergestellt“ ließe sich dann besser nachvollziehen, was tatsächlich in einem Kleidungsstück steckt. Noch besitzt nicht jedes Produkt einen solchen Pass. Das Register schafft zunächst die technische Grundlage, die konkreten Vorgaben für Kleidung folgen schrittweise.
LANIUS „Common Grounds“: Slow Fashion für den Herbst
Zu meinen spannendsten neuen Herbstkollektionen gehört „Common Grounds“ von LANIUS. Weite Jeans, Cord, Strick, Blusen und Mäntel treffen auf natürliche Farben und einzelne kräftigere Akzente. Die Kollektion wirkt modern, ohne sich ausschließlich an kurzlebigen Trends zu orientieren.
Auch die Materialangaben sind vergleichsweise konkret: Laut LANIUS bestehen 94 Prozent der eingesetzten Fasern aus Materialien natürlichen Ursprungs. 62 Prozent sind bio-zertifiziert, 55 Prozent der Kollektion tragen eine GOTS-Zertifizierung und 48 Prozent der Modelle werden als vegan ausgewiesen.
Damit gehört „Common Grounds“ für mich zu den rundesten nachhaltigen Kollektionen der neuen Saison: tragbar, modisch und mit nachvollziehbaren Angaben zu den eingesetzten Materialien. ➤Neue Kollektion hier ansehen.
H&M Studio Essentials: gute Basics oder gutes Marketing?
Am 3. September erscheint H&M Studio Essentials A/W26. Die neue Linie setzt auf Mäntel, Blazer, Strick und klassische Hosen, die sich vielseitig kombinieren lassen sollen.
Die Idee einer kleineren, langfristig tragbaren Garderobe gefällt mir grundsätzlich. Die Bezeichnung „Essentials“ macht eine Kollektion jedoch noch nicht nachhaltig. Entscheidend sind Materialqualität, Verarbeitung, Passform und tatsächliche Langlebigkeit.
Gerade bei einer höherpreisigen Fast-Fashion-Linie lohnt sich deshalb der genaue Blick: Sind Stoffe, Nähte und Futter wirklich hochwertiger – oder verkauft H&M vor allem das Gefühl einer Capsule Wardrobe? Für mich ist die Kollektion daher eine interessante Fashion News, aber noch keine nachhaltige Empfehlung.
Fazit: Mehr Regeln, mehr Transparenz – und interessante neue Ansätze
Besonders relevant ist aktuell die neue EU-Regel für unverkaufte Mode. Sie könnte dazu führen, dass Retouren und Restbestände häufiger aufbereitet und erneut verkauft werden – und gleichzeitig den Druck erhöhen, weniger Überschüsse zu produzieren.
Auch Frankreichs Vorgehen gegen Ultra-Fast-Fashion und der digitale Produktpass zeigen, dass Überproduktion und vage Nachhaltigkeitsversprechen stärker hinterfragt werden.
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